Einwegmasken

Masken für 0,05 €: Wo kommen die billigen Masken her?

Erst nirgends zu bekommen und jetzt allgegenwärtig. Die Rede ist natürlich von Masken. Das Produkt des Jahres 2020. Inzwischen ist die Mund-Nasen-Bedeckung nicht nur Schutz, sondern auch ein Fashion-Statement oder eine Werbefläche. 

Eines der Basisprodukte unter den Mund-Nasen-Bedeckungen ist die Einweg-Gesichtsmaske (OP-Maske / Surgical Mask). Auf den ersten Blick ist sie recht einfach aufgebaut, auf den Zweiten sind aber einige Schritte bis zur fertigen Maske notwendig.

Ein Aufbau aus mehreren Schichten Vliesstoff ermöglicht eine Filterung. Dazu wird meistens Polypropylen, ein aus Erdöl gewonnenes Polymer, "schmelzgeblasen", um Fasern mit einem kleinen Durchmesser in einem zufälligen Muster zu erhalten. Durch eine elektrische Aufladung werden die ungewünschte kleine Partikel einfangen, aber die Atemluft kann durchfließen.

In der Regel werden drei Stoffschichten für eine Maske benötigt. Die Schichten werden mit Ultraschall miteinader verschweißt. Dabei wird auch ein Nasenstreifen eingefügt, dieser enthält biegbares Metall, um die Maske an die Nase anzupassen. Anschließend werden noch die elastischen Ohrschlaufen (z.B. aus Nylon-Elasthan) angebracht.

Zum Teil werden einige Schritte in der Produktion manuell von Arbeitern übernommen. Weitaus effizienter sind aber vollkommen automatisierte Produktionslinien. Je nach Modell schaffen diese Produktionslinien bis zu 1000 Masken pro Minute. In der Regel ist die Zahl allerdings niedriger und befindet sich im niedrigen dreistelligen Bereich.

Mit dem Beginn der Pandemie und der steigenden Nachfrage nach Masken dieser Art gab es einen Versorgungsengpass. Einer der limitierenden Faktoren war hierbei der Vliesstoff. Die Produktion ist sehr aufwendig, braucht teuere Maschinen und wird daher nur von einer begrenzten Anzahl an Firmen durchgeführt. Ein weiterer Punkt war damals die Logistik, einerseits gab es Beschränkungen auf den Export von Masken, anderseits war das internationale Logistiknetzwerk sehr eingeschränkt.

China ist der größte Produzent von OP-Masken. Vor der Pandemie lag der Marktanteil von China bei ungefähr der Hälfte der weltweiten Produktion. Im Januar 2020 produzierte man pro Tag etwa 20 Millionen Masken. Ein Witz im Hinblick auf die benötigte Menge. Mit Hilfe von (staatlichen) Unternehmen und Regierung konnte man die Produktion Ende März fast verzehnfachen auf 200 Millionen Masken pro Tag. 

Vor der Pandemie lag der Einkaufspreis pro Maske, natürlich abhängig vom Hersteller, bei unter 1 Cent. Auch als normaler Konsument zahlte man wahrscheinlich selten mehr als 10 Cent für ein Exemplar. Das änderte sich schlagartig mit Corona. Auf einmal zahlte man für eine Maske, was man Pre-Corona für eine ganze Packung auf den Tisch legen musste. Inzwischen hat sich das Blatt, durch die erhöhte Produktion, allerdings wieder geändert. 

Ein Beispiel möchte ich hier etwas näher beleuchten und der Frage nachgehen, wo die Masken eigentlich herkommen?

Surft man etwas durchs Netz, wird man schwer kein Angebot für Masken finden, Amazon, Ebay, Etsy, Otto, Zalando, Aliexpress, Wish, sind nur ein Bruchteil davon. Eine Plattform auf der man sehr günstige Masken findet ist Real.de. 

Real.de wird durch die real Digital Operations GmbH betrieben. Die Shopping-Plattform ging 2016 aus dem Portal Hitmeister.de hervor und wurde im Juni 2020 von der Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) übernommen. Real.de ist ähnlich wie Amazon aufgebaut, ein Teil des Sortiments wird von Real selbstverkauft, die anderen virtuellen Regale werden von Dritthändlern aufgefüllt. Bei jedem erfolgreichen Verkauf bekommt Real dann eine Provision von bis zu 12,5 Prozent.

Ein Teil dieser Händler stammt aus China. Bei den günstigen Masken sind es fast ausschließlich chinesische Anbieter. Über das Impressum lässt sich der Anbieter hinter dem Username anzeigen. Die Händler haben ihren Sitz unter anderem in Suzhou, Shenzen, Tanxi und Yiwu. Jeder der Händler, die ich mir angesehen hab, verfügt über eine valide deutsche Umsatzsteuer-ID und hat meist ebenfalls eine Handelsregisternummer.

Die Preise schwanken etwas und können sich täglich ändern. Derzeit, Stand Anfang Oktober 2020, liegt der günstigste Preis bei 2,65 für 50 Masken. Der Versand nach Deutschland ist kostenlos. Als Versandzeit sind ein bis zwei Wochen angeben.

50 Masken für 2,64 Euro – Das Angebot aus Real.de
50 Masken für 2,64 Euro – Das Angebot aus Real.de


Zeit also für einen Probekauf, ich entscheide mich für den Händler mit dem Namen "TrailingYou". Für die 50 Masken zahle ich per Paypal 2,65 Euro. Einen Tag später bekomme ich eine Trackingnummer von DHL. Dort wird mir zwei Tage später der erste Stopp angezeigt. Das Paket befindet sich in Bremen und wird mir einen Tag später in Süddeutschland zugestellt. Von der Bestellung bis zur Zustellung vergehen insgesamt vier Tage.

Wer war nun in meiner Bestellung involviert und wo wurden die Masken produziert. Hinter dem Profil "TrailingYou" steht die Yiwu Lvkong E-commerce Co., Ltd.. Sie verkauft seit Juli 2020 unter diesem Namen auf Real.de. Der Sitz des Unternehmens ist No. 393-405, Jiangbin West Road, Yiwu City, Zhejiang Province, China.

Yiwu ist eine Millionenstadt im Osten von China in der Provinz Zhejiang. Bekannt ist die Stadt vor allem dadurch sie, als einer der wichtigsten Standorte für den Großhandel von Kleinwaren gilt und dort viele ausländische Käufer ihre Bestellungen aufgeben.

Yiwu Lvkong E-commerce Co., Ltd. auf Alibaba.com
Yiwu Lvkong E-commerce Co., Ltd.


Die Adresse der Yiwu Lvkong E-commerce Co., Ltd. befindet sich in der Stadt. Auf der B2B Plattform Alibaba.com findet man das Unternehmen recht einfach. Dort gibt man an, man sei ein 2017 gegründetes Unternehmen, das auf die Herstellung und Verarbeitung von Schmuck, Accessoires und anderen Produkten spezialisiert ist. Im Shop-Bereich befinden sich Produkte aus diesem Bereich. Weiter findet beim "United States Patent and Trademark Office" einige Markenanmeldungen für Schmuck, eingetragen auf den Namen. Zum Verkauf von Masken findet sich nichts.

Das beigelegte Inspection Certificate


Das Unternehmen ist nur für den Verkauf zuständig, produziert wurden die Masken von einer anderen Firma. Den Masken liegt ein kleiner Zettel bei, einem Inspection Certificate (oder auch nspection Certificate). Dort sind einige Informationen zur Produktion und dem Produkt vermerkt. Ich nehme an das die Angaben korrekt sind.

Interessant ist hierbei ist, neben dem Hersteller, auch das Produktionsdatum. Laut diesem Zettel wurden die Masken am 18.09.2020 produziert. Die Masken waren am 29.09 in meinem Briefkasten. Daraus lässt sich schließen das sie nur per Flugzeug nach Europa gekommen sein können. Der Versand per Containerschiff dauert in der Regel mindestens einen Monat. 

Auf ihrem Weg nach Deutschland werden sie vermutlich mindestens ein Inlandsflug oder Güterzug oder Lastwagen genommen haben, da es vom Produktionsstandort derzeit keine internationalen Flüge gibt. Vor 2020 war die Region wahrscheinlich den wenigsten in Deutschland bekannt, das änderte sich schlagartig Anfang des Jahres. Die Firma befindet sich in der Provinz Hubei. Die größte Stadt dieser Provinz ist Wuhan.

Als Hersteller ist das Unternehmen "Xiantao Kanghua Protective Equipment Co. Ltd" mit Sitz in "East side of Xiansha road, Shahu town, Xiantao, Hubei Province, China". Die selbst Adresse gibt wenig Aufschluss. Shahu Town ist ein Teil von Xiantao und etwa 50 Kilometer von dort entfernt. Ein Unternehmen mit diesem genauen Namen konnte ich nicht finden, aber über ähnliche Unternehmen aus der Stadt.

Xiantao (仙桃) liegt im Osten der Hubei Provinz und zählt über eine Millionen Einwohner. Der bekannteste Sohn der Stadt ist Lei Jun, der Gründer von Xiaomi. Interessanter für uns ist allerdings, dass die Stadt ein Hub für die Produktion von Einweg-Schutzausrüstung, wie Masken, Anzügen und Kopfbedeckungen ist. 

Preise für Masken eines Anbieters aus der gleichen Stadt
Preise für Masken eines Anbieters aus der gleichen Stadt (Quelle Alibaba.com)


Eine dieser Firma ist die Xiantao Yinhong Protective Products Co., Ltd.. Sie gibt es seit 2004 und produziert unter anderem Gesichtsmasken mit 35 Maschinen, wie sie in einem Video im August 2020 aufgenommen Video verkünden. Auf dem Alibaba.com Profil finden sich die produzierten Produkte mit Preisen. Für eine 3-lagige Gesichtsmaske zahlt man derzeit zwischen 0,01 und 0,03 US-Dollar. Allerdings bei einer Abnahmemenge von über 200000. 

Auch andere Firmen verkaufen ihre Masken für ähnliche Preis. Nehmen wir mal als Durchschnitt 0,02 US-Dollar für eine Maske. Umgerechnet in Euro macht das für 50 Masken 0,85 Euro. Real.de nimmt (vermutlich) eine Provision von 0,33 Euro. Macht zusammen Kosten von 1,18 Euro. Bleiben 1,47 Euro übrig für Transport und den Händler übrig. Wie hoch sind die Versandkosten? Öffentliche Zahlen konnte ich dazu nicht finden. Der Vorteil ist natürlich das geringe Gewicht der Ware, das den internationalen Versand deutlich günstiger macht. Dazu muss man mit DHL wirklich gute Konditionen ausgehandelt haben. Wirklich gewinnbringend kann dies, nehme ich an, nur über die schiere Maße gehen oder es sind noch irgendwo Subventionen versteckt. Um das letzten Endes zu beantworten, kenne ich mich allerdings zu wenig in diesem Feld aus.

Quellen: 

http://www.oecd.org/coronavirus/policy-responses/the-face-mask-global-value-chain-in-the-covid-19-outbreak-evidence-and-policy-lessons-a4df866d/

https://www.real.de/product/347589091/

https://ywlvkong.en.alibaba.com/company_profile.html?spm=a2700.icbuShop.88.23.47334f5eHc7Vul

https://xtyinhong.en.alibaba.com/video.html?spm=a2700.icbuShop.88.75.5a9b4e71FRPL8T